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Vor einiger Zeit konnte ich durch eine Tauschaktion meine alte WA201 zurück bekommen. Das Boot war von mir Ende 2005 gebaut worden und einige Jahre in meinem Besitz. Irgendwann habe ich sie dann an Günther Lentz verkauft der sich in das Boot verliebt hatte. Günther hatte das Boot immer pfleglich behandelt, ab und an konnte ich es auf einem Treffen sehen wenn er es dabei hatte.
Vor Kurzem konnte ich noch einen WA201 Rumpf ergattern der jahrelang auf einem Speicher vor sich hinvegetierte. Ich hatte die Idee, das Boot zu bauen sobald ich meine Baustellen beendet hatte. Dann bekam ich einen Anruf von Jemanden, der so ein Boot in fertig sucht und ich war zuerst geneigt den leeren Rumpf vom Speicher als Alternative zu verkaufen. WA201 sind nicht gerade oft zu finden. Ausser der allerersten von Lothar Mentz die noch in seinem Besitz sein müsste, gibt es nur noch diesen leeren Rumpf und mein altes Boot, welches beim Günther war. Mein allererstes WA201 hatte ich damals an Andreas John verkauft der durch geschickten Umbau ein 17b draus gemacht hat. War also nicht mehr verfügbar.

Auf dem letzten Treffen in Köln hatte Günther die WA nicht dabei und so frug ich ihn, ob er die verkaufen will. Er wollte. Auf meine Nachfrage, was sie denn kosten soll, schlug er ein Tausgeschäft vor: Die WA gegen eine UB1 die ich im Angebot hatte. Während wir darüber sprachen überlegte ich, ob ich das Boot nicht selbst behalten soll und dem Interessenten den Rumpf gebe. Soll er sich doch mit einem Neubau rumschlagen, ich nehm gerne das fertige Boot. Schnell wurden Günther und ich uns einig. Die UB habe ich vor der Übergabe noch mal überprüft und ein paar Macken beseitigt sodass die benkenlos den Besitzer wechseln konnte. Einmal fluten mit leerem Tank sorgte für Überdruck im Boot. Als der morgens noch immer vorhanden war konnte der Tausch statt finden. Und so kam es, dass ich ein paar Tage später im Auto sass und gen Heidelberg fuhr. Aufgrund privater Gründe musste ich allerdings quasi sofort wieder nach Hause, und so wurden die Boote getauscht und ich fuhr wieder heim.
Zuhause angekommen wurde das Boot erstmal inspiziert. Als erstes wurden die Akkus geladen. Verbaut waren zum Schluss 15x7000 mAh Sanyo als Fahrakku und 5x4400 mAh Sanyo als Empfänger Akku. Der Zellenstrang im Mittelschiff sah gut aus, bei den Zellen im Heck konnte man Rostspuren sehen. Vermutlich von einer früheren Leckage. Die Zellen war völlig tiefentladen bei 0V über den kompletten Strang. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass das bei Sanyos überhaupt keine Rolle spielt. Im Gegenteil, die werden dadurch besser formiert und haben alle die gleiche Spannungslage. Dazu wurden die Zellen tagelang mit kleinem Strom geladen bis sie warm wurden und mit kleinem Strom völlig entladen bis runter auf 0 Volt. Auf diese Weise habe ich meine Zellen damals alle behandelt und die haben ewig gehalten. Voodoo oder nicht, nachdem ich diese Zellen von 2005 das erste mal vermutlich seit langer Zeit wieder lud, hatten sie noch über 7000 mAh und über 5000 mAh. Also mehr als Nennkapazität! Sanyo Zellen sind die geilsten!

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Günther hatte von Wassereinbrüchen berichtet. Um der Leckage Herr zu werden musste sie aber erstmal gefunden werden. Dazu wurde im Bugverschluss eine Festoschnellkupplung eingebaut, die mit einem Plastikstopfen verschlossen werden kann. Gezogen, kann man einen Schlauch einstecken um das Boot unter Druck zu setzen. Ich merkte sehr schnell, dass aus dem Anschluss für den Tauchtank die komplette Luft entwich und nach kurzer Inspektion war der Fehler gefunden. Des verwendete Fest Schlauch war spöde und brach an einer Stelle komplett ab. Hätte ich das nicht überprüft wäre direkt die erste Fahrt ein Fiasko geworden. In dem Zusammenhang wurde der Kolbentank gleich mal inspiziert. Von innen sah er noch aus wie am ersten Tag, lediglich ein Druckanschluss für den Tiefenregler war verrostet. Sowas sollte man auch nicht aus rostendem Stahl nehmen... Nach dem Austausch des Schlauchs und Nippels wurde das Boot wieder zusammen gebaut. Der Schlauch für den Drucksensoranschluss wurde ebenfalls getauscht und ein beschädigtes Steckergehäuse vom Tiefenregler ersetzt. Nun wurden die Servos auf der Fernsteuerung angepasst und Ruderwege nochmal neu justiert. Da der alte Tiefenregler von Canditt schon mit Heissluftinklinometer ist brauchte hier kein Alk nachgefüllt zu werden. Die Verfahrlängen des Tauchtanks wurde programmiert und so konnte es das erste Mal nach Jahren wieder an den See gehen. Dummerweise ist in unserem Ententeich bei jedem Jahrhundertsommer wenig Wasser drin. Das Wasser ist zwar klar, aber dafür seicht und an einigen Stellen voller Kraut. Naja, besser als nix.

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Während der ersten beiden Fahrten konnten einige Beobachtungen zur Verbesserung des Bootes gemacht werden.
- Das äusserst sparsam verbaute Blei, bei genauerer Untersuchung konne ich im ganzen Boot nur sagenhafte 30 Gramm! finden, konnte nicht zur Gewichtsverschiebung heran gezogen werden.
- Im Turm und in den Revisionsklappen mussten Flutschlitze eingebaut werden, die Luft kommt zu langsam raus.
- Ebenfalls müssen Entlüftungen in den Bugbereich.
- Der Kolben des Tanks muss ausgetauscht werden. Der Airzet Ring ist zwar dicht, aber die Nut in dem mehrteiligen Kolben ist zu schmal sodass sich der Ring nicht unter Druck an die Wandung drücken kann.
- Das Destabilisatorruder soll gangbar gemacht werden
- Die Programmierung der Kolbentanksteuerung muss auf 80/20 geändert werden
- Ein Blitzer und Beleuchtung soll eingebaut werden
- Der Tiefenregler musste eingestellt werden, das geht aber nur an einem tieferen Teich ohne von Enten zugeschissenen Steg

Eine recht kurze ToDo Liste für all die Jahre. Keine Ahnung, warum mir die Sache mit den Flutschlitzen damals nicht aufgefallen ist. Gerade beim Turm kann man schön erkennen, dass, hat er einmal die Oberfläche durchbrochen und Luft gezogen, das Boot relativ lange eine Luftschleppe am Turm hinter sich herzieht und die Fahrt dadurch instabil wird. Ist die Schleppe kürzer sollte es besser gehen. Leider habe ich damals nicht den originalen WA201 montiert, ich hab das mit dem tiefziehen der Haube nie richtig hinbekommen. vielleicht geh ich da nochmal ran.

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Als Erstes habe ich im Turm und Bugbereich kleine Flutschlitze eingebaut. Diese hatte ich noch in Form von kleinen gefrästen Intarsien von anderen Booten hier liegen. Also wurden an entsprechender Stelle in Bug und Turm Ausschnitte eingefräst in die die Intarsien eingelegt wurden. Damit sie in der richtigen Höhe verklebt werden konnten habe ich kleine Stege auf die Intarsien geklebt. Diese sorgen dafür, dass die Intarsien nicht durchs Loch fallen und werden später entfernt bevor alles verschliffen wird. Eine darauf folgende Probefahrt zeugte schon von leichter Verbesserung, am Turm fängt sich allerdings immer noch Luft. Ich konnte allerdings einmal sehen, dass die sich auch vor dem Turm fängt. So ein Mist! Bei der Probefahrt wurde auch der Tiefenregler feiner eingestellt. Das Boot durchbricht nun weniger die Oberfläche bei schneller Fahrt. Auch mal was wert.

Wieder Zuhause wurde erneut ein kleiner Umbau und Aufräumarbeiten in Angriff genommen:
- Bei der Demontage des Technikgerüstes war es bisher immer mühselig, des Wasseranschluss zu demontieren da der unter einer Verteilerplatine für Empfänger- und Fahrspannung lag. Kurzerhand habe ich diese Platine auf die Unterseite des Technikträgers verlegt, das sparte ausserdem noch Kabel die somit gekürzt werden konnten.
- Der alte Roxxy Fahrregler wurde mit neuen Elkos ausgestattet und neu verschrumpft.
- Der Kabelbaum wurde mit Wachsschnur neu ausgebunden.
- Die 5000 mAh Zellen im Heck waren auf den ersten Blick elektrisch in Ordnung, bei genauerer Betrachtung aber durch einen Wasserschaden stark angerostet. Nach der Demontage der Zellen und entfernen einer nicht unerheblichen Rostschicht auf den Polen entschied ich mich dazu, die betroffenen Zellen auszutauschen. Glücklicherweise hatte ich tatsächlich noch von den alten Sanyo Zellen in einer Schublade. Die müssen mindestens 15 Jahre alt sein, also noch gut in Schuss!
- Im Heck gefundenes, einseitig positioniertes Blei wurde symmetrisch angeordnet.
- Alle Kabelverbindungen zwischen Technikgerüst und Heck wurden nun über mehrere, verschiedenfarbige Multiplexstecker geführt damit beide Baugruppen leichter getrennt werden können.

Eine recht unangenehme Eigenschaft des Bootes ist der Drang, in Kurvenfahrt aufzutauchen. Um das zu unterbinden wurde im Boot eine Querlageregelung samt Mischer eingebaut. Die Querlageregelung besteht aus einer einfachen Lageregelbriefmarke die hier noch in einer Schublade rumflog. Der Mischer hatte mich anfangs zur Verzweifelung getrieben. Bevor ich das Boot damals verkauft habe, hatte ich schon mal mit Querlageregelung rumgespielt und aus dieser Zeit war noch eine Mischerplatine verbaut. Allerdings war die ohne Chip und alle Ein- und Ausgänge waren mit Lötzinn gebrückt. Nach auftrennen dieser Brücken konnte ich meinen letzten Mischerchip von Norbert Brüggen einsetzen und... Das Mistding geht nicht! Naja, man wird nicht jünger, ich hatte eine winzige Lötbrücke übersehen. Diese Fehlfunktion und das fehlen eines weiteren Chips animierte mich auf die Suche nach einer Alternative zu gehen. Das ist aber eine andere Geschichte und wird an anderer Stelle separat erzählt.
Nachdem ich nun in Besitz eines PICAXE Chips mit Mischer war, konnte die Sache beim nächsten Wassern im Duisburger Innenhafen getestet werden. Der Querlageregler wurde in Waage gebracht und justiert, und schon konnte es losgehen. Das Boot bleib nun auch bei schneller Fahrt astrein stabil, nur in den Kurvenfahrten brach es weiter durch die Wasseroberfläche. Aber das konnte durch Einsatz eines Mischers senderseitig schnell behoben werden. Nach ein bisschen rumprobieren mit dem passenden Wert werden bei Hartruder Seite nun 6% Tiefe dazu gegeben.

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Jetzt bleibt das Boot auch in Kurvenlage unter Wasser.

Von der Todo Liste sind nun noch das funktionierende Destabilisatorruder und die Beleuchtung über geblieben, das wäre doch was für den Winter, oder?

 

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