V80 in 1:14
Ein langjähriger Traum ist vor einiger Zeit in Erfüllung gegangen. Ich konnte dank der Hilfe von Stefan Mann noch den letzten Rumpf aus Rudi Schwarzmeiers V80 Form in 1:14 ergattern. Das Modell von Stefan konnte ich vor einigen Jahren auf dem Treffen in Nürnberg bewundern, ein Hammergerät, eine echte Waffe! Obwohl ich die V80 nun im Laufe der Jahre schon einigen Male gebaut habe, faszinierte mich die Größe (die ja eigentlich so garnicht "mein" Massstab ist) ungemein. Und nun konnte ich einen Rumpf ergattern, da hab ich natürlich sofort zugeschlagen. Nach kurzer Wartezeit konnte ich tatsächlich die Schalen in den Händen halten. Sauber laminiert ohne Macken und vor allem in dünner Ausführung, genau so wie ich es haben wollte. Schnell waren die Teile mit Sekundenkleber aneinander fixiert, sodass man sich mal einen ersten Überblick über die Größe verschaffen konnte. Sehr imposant. Auf einem der Dienstagstreffen merkte Norbert Brüggen an, dass er ein 3D Modell eines Propellers hätte, das könnte er gemäss Vorgabe skalieren. Nachdem ich den Prop als Datei bekommen hatte, wurde mal ein Muster in 3D Drucker gedruckt. Der hat zwar ein paar Macken und Polygonmuster, aber zum anschauen reicht es.
Baustart
Zuerst wurde der Rumpf so getrennt, dass ein paar Zentimeter des Turms mit abgeschnitten wurden. Darunter sollte später ein Edelstahlzapfen versteckt werden der beide Rumpfteile im zusammengesteckten Zustand miteinander stabilisiert.
Der Schnitt wurde auf dem Scanner eingescannt und im CAD eingefügt. Nun konnten in bewährter Weise die wichtigsten Bauteile wie Akkus und Tauchtank(s) eingefügt werden um die Platzverfügbarkeit zu testen.
Und genau hier stieß ich schon auf das erste Problem: Sollte es Deckeltechnik, Bajonett, runder Steckverschluss oder mein eiförmiger Verschluss wie in der kleinen V80 werden? Alles hatte vor- und Nachteile. Deckelverschluss, wie bei Stefan Mann, gewährt maximale Raumausnutzung, ist allerdings mit Schrauberei verbunden. Ich muss gestehen, ganz kurz hatte ich wirklich mit dem Gedanken gespielt, aber irgendwann doch verworfen.
Bajonett fiel aus , weil ich die Akkus nicht im Kiel verstauen wollte und nachher eine Steckverbindung herstellen muss.
Übrig blieb nach reiflicher Überlegung der eiförmige Verschluss, somit konnten die Akkus ins Technikgerüst integriert werden. Im Kiel sollte später ein Bugstrahlruder eingebaut werden, bei meiner 212 hat es sehr gute Dienste geleistet und ich wollte nicht drauf verzichten. Ausserdem konnte ich einen Zwischenboden mit einplanen mit dem das Boot druckfester werden sollte. Dieser Zwischenboden sollte Tanks und Akkus tragen und Bestandteil des Technikgerüstes werden. Im Boot wird er zwischen U-Profilen aus GFK geführt werden die eingeharzt werden. Mit dieser Vorraussetzung ging es ans konstruieren. Die Teile wurden im CAD hin und hergeschoben bis es einigermassen passte. Die Gewindestangen des Technikgerüstes sollten aus potenten M8 Edelstahlstangen entstehen, da ist später Zug drauf und es sollte stabil werden.
Aus der CAD Datei wurden erste Fräsdateien für den Verschlussring erstellt. Dieser wurde aus verschieden dicken GFK Platten gefräst. Die heckseitige Trägerplatte und das Gegenstück, welches später auf die Hülle geklebt wird, bestehen aus 3mm GFK, die Zwischenlage in der der Dichtring sitzen wird hat 2,5mm. Zusammen mit reichlich Endfest300 wird das später ausreichend stabil sein.



Hier habe ich erstmal 4x 1 m lange Gewindestangen eingeschraubt und mit einem provisorischen Bugspant miteinander verbunden. Nach dem Einstecken des Gerüstes in den Rumpf konnte ich nun feststellen um wieviel die Gewindestangen zu lang sind. Diese wurden dann entsprechend mit einem kleinen Aufschlag gekürzt und entgratet und alles wieder zusammen gebaut. Jetzt konnten alle Teile mal auf den Tisch gelegt werden mit dem Rumpf als Kulisse. Schnell wurden die Akkus und Tauchtanks provisorisch positioniert, alles passte. Nur bei den Akkus musste ich von den anvisierten 4s2p 10000 mAh Headway LiFePo auf 6s1p umsteigen. Die bekam ich aber dann auch besser untergebracht und hatte sogar noch Platz für mein Bugstrahlruder und eventuell eine Gewichtsverschiebung.
Im CAD konnten nun Halter für die Akkus und die beiden Tauchtanks entworfen werden.


Während die Akkuhalter gedruckt wurden machte ich mich an die Ruderflächen ran. Die alte Zeichnung der 1:30 V80 hatte ich hochskaliert sodass ich die Ruderflächen mal probeweise ausfräsen konnte. Und siehe da, mit minimalsten Anpassungen passten die Flächen schon an den Rumpf und wurden mit ein paar Tropfen Sekundenkleber angepunktet. Bei der 1:30 V80 hatte ich den Rumpf eingeschnitten und die Flächen eingesetzt. Warum ich das damals gemacht habe weiss ich auch nicht mehr, auf jeden Fall wollte ich das jetzt nicht mehr machen. Die Flächen sollten 10mm dick werden und aufgesetzt werden. Ein einigen Stellen wollte ich nun auf der Klebefläche kleine Zapfen stehen lassen die im Rumpf eingelassen und verklebt werden.





Im nächsten Schritt habe ich den Verschluss auf die Rumpfhälften geklebt. Begonnen habe ich mit der Dichtfläche auf dem Bugteil. Ein gerader Trennungsschnitt ist dabei noch nichtmal so wichtig. Kleinere Spalten kann man GFK Resten ausfüllen, es wird eh später alles miteinander verklebt. Das Frästeil wird zuerst ausgerichtet und dann mit Sekundenkleber angepunktet. Damit alles besser fluchtet habe ich das Technikgerüst an den Verschluss geschraubt. Nun kommen auch die lustigen kleinen Ohren an den Verschlussteilen zum Zuge. Beide Teile des Verschlusses werden miteinander verschraubt sodass kein Spalt entsteht





Weiter gehts mit der V80
In der Zwischenzeit hat sich sehr viel getan, Zeit für ein Update
Das mit dem Verkleben muss gewissenhaft überprüft werden, denn beim erhitzen der GFK Teile und des Rumpfs würden Kleberreste o.ä. im Verschlussring dazu führen, dass sich das GFK verzieht und der Verschluss später einen Spalt hat. Hat aber alles gut geklappt.
Nun wurde der Verschluss im Bug auf die gleiche Weise hergestellt. Hier gab es allerdings eine Neuerung. Bei der 1:30 V80 hatte ich die Rumpfhälften miteinander verbunden indem ich eine Schraube anzog. Diese war in einem abnehmbaren Teil des Bugs eingelassen der somit als Griff für das werkzeuglose Schließen des Bootes diente. Klappte gut, in der großen V80 wollte ich das den bewährten M10 Edelstahlschrauben überlassen. Es musste also ein Weg gefunden werden, die Bugnase abnehmbar zu machen und das Ganze möglichst ohne zusätzliches Werkzeug. Mir kam die Idee, kleine Neodymmagnete in den Verschluss einzuarbeiten. Diese sollten in Verbindung mit 4 Stück 5 mm Edelstahlstiften die Nase am Platz halten und die darunterliegende Zentralschraube verbergen.


Da sich die Nickelschicht der Neodymmagnete schon bei der bloßen Erwähnung des Wortes "Wasser" gerne schon mal vom Magneten ablöst, habe ich die Magnete unter einer dünnen GFK Platte verbaut sodass kein Wasser an die Magnete gelangen kann.
Der Verschlussdeckel ist wie gehabt aus 5 mm GFK. Drin eingelassen sind 2 Führungsstifte aus abgebrochenen Hartmetallfräsern und natürlich fehlt auch das Aludrehteil mit Kugellager und Simmerring nicht.

Nachdem alles fertig war, tauchte das erste Problem auf: die "kleinen" Magneten waren beidseitig 10mm lange Neodymmagnete, und die wollte freiwillig so gar nicht mehr auseinander. Also musste der Bug wieder auseinandergekloppt werden um 5mm lange Magnete einzubauen. Die haben zwar immer noch anständig Zug, aber nicht mehr so viel, dass ich den Bug nur noch mit Werkzeug abbekomme.
Kaum war dieses Problem gelöst, erschien auch schon das nächste. Von den beiden 100mm Alutanks war einer etwas schwergängig und hörte sich komisch an. Nachdem er geöffnet wurde sah ich die Bescherung: Im Inneren war wohl die Eloxalschicht beschädigt und der Tank blühte munter vor sich hin. Leider war der nicht mehr zu retten. Also Kommando zurück, und alles wieder von vorne mit den Tauchtanks. Zwischenzeitlich hatte ich in Holland schickes 80mm PVC Rohr gefunden, das ich zu zwei neuen 1l Tanks verwursten wollte. Hier sollten dann auch direkt Trapezgewinde und schrägverzahnte Zahnräder verbaut werden. Leider gibt es meines Wissens nach keine 77mm Airzet Ringe, also wurden Kolben für zwei O-Ringe gedreht. Geht auch... Der achtere Tank ragt ein wenig ins Heck hinein, hier musste noch eine spezielle Halterung entworfen werden, die auf den Tank geklebt wird. Beide Tanks werden wie gehabt proportional mit MoMo Steuerungen angesteuert. Die Trapezspindeln laufen an den Tanks knapp aneinander vorbei, der zur Verfügung stehende Platz ist also gut genutzt.


Unterhalb der Tanks werden bugseitig die Zellen untergebracht, dahinter Richtung Heck liegt eine Platte zu Aufnahme der Elektronik. Hier dominiert eine Verteilerplatine, auf der ausser dem Magnetschalter (in besonders fetter Ausführung) noch verschiedenen Stecker und Buchsen montiert sind. Alle Zu- und Ableitungen werden hier aufgesteckt. Auch die beiden Tiefenruderservos bekommen hier ihren Strom direkt aus dem Empfängerakku. Dieser sitzt übrigens hinten im Heck.


Die Dämpfungsflächen am Heck bestehen aus mehreren Lagen GFK. Die mittlere Platte besteht aus 3 mm. Im Design ist ein 3 mm breiter Kanal vorgesehen, in dem der Edelstahldraht der Ruderanlenkung läuft. Rechts und links daneben liegen noch je eine Platte 1,5 mm und außen 2,5 mm. Alle Platten sind untereinander mit UHU Endfest verklebt und zwecks korrekter Ausrichtung zueinander mit 2 mm CFK Stiften verstiftet. Großes Augenmerk musste darauf gelegt werden, dass kein Klebstoff in den Kanal läuft und somit die Ansteuerung nicht mehr realisiert werden kann. Ich habe daher beim zusammenkleben der Platten den Kanal die ganze Zeit mit einer M3 Gewindestange durchstochen um so überschüssigen Kleber auszuräumen. Kleberreste habe ich mit einer groben Feile entfernt. Die Feile wurde vorne angeschliffen sodass eine scharfe Kante entsteht. Dadurch kann die Feile wie ein Schaber genutzt werden. Klappt astrein um Kanten und Ecken zu säubern.



Das Tiefenruder war in den ersten Entwürfen wie gehabt einteilig, ich habe mir aber in weiser Voraussicht die Option offen gehalten, das Ruder teilbar zwecks Drallausgleich zu machen. Stefan Mann meinte zwar, das wäre bei dem Boot nicht notwendig, aber haben ist besser als brauchen. Und so wurde in der Backbordfläche ebenfalls ein Kanal plus Stopfbuchse für einen Zugdraht vorgesehen.
Nachdem mein Selbstbautiefenregler seine Erprobung im Delfin mit den getrennten Tiefenrudern überstanden hatte, beschloss ich das getrennte Tiefenruder in die Tat umzusetzen. Das Tiefenruder wurde als erstes im CAD horizontal und vertikal getrennt. Da die Ruderwellen zwar getrennt, aber dennoch irgendwie verbunden sein müssen, habe ich mir aus verschiedenen Edelstahlrohren eine recht stabile Ersatzwelle gebastelt, die die Kräfte des Propellers auffangen kann und sich dennoch nicht verbiegt.

Als Ansteuerung habe ich schnelle und sehr kräftige Servos gefunden, welche ich direkt aus einem zweizelligen Empfängerakku speisen kann ohne ein BEC zu benötigen. Dies habe ich zwar trotzdem noch im Roxxy Fahrregler, das speist aber nur die restliche Elektronik mit geringem Leistungsbedarf.
Die Wahl des Motors fiel auf einen Roxxy 5065-09. Der hat 325 UpM/V und geht bis 7 Zellen. Dummerweise habe ich die Propellerwelle nur in M5 ausgeführt, bei M6 hätte ich die Motorwelle austauschen und den ganzen Antriebsstrang ohne Kupplung ausführen können. So musste ich noch eine Hochlastkupplung verbauen. Viel Vertrauen hab ich nicht zu den Dingern. Ich hoffe, sie hält. Der Propeller ist eine Sonderanfertigung von Propshop und aus Messing gegossen.



Das bisherige Konzept sah recht vielversprechend aus. Im Technikgerüst liessen sich alle Komponenten unterbringen die benötigt wurden. Nach einer ersten Verdrahtung und anschliessenden Bestromung quittierte allerdings der scheiss teure Roxxy Regler mit lautem Knall und einigem Qualm spontan seinen Dienst. Eine Kontrolle ergab keine falsche Verdrahtung o.ä, also wurde der Roxxy gegen einen guten 51A BL-Heli32 vom Hobbyking getauscht. In der Programmierung des BL-Heli wurde die Strombegrenzung auf 30A gesetzt, so kommt der Regler nicht an seine Grenzen. Da der Regler kein BEC besass musste hier noch ein China BEC her, Platz gabs noch genug.
Zwischendurch wurde am Äusseren gearbeitet. Ein wenig tricky ist die Kuppel. Diese ist tatsächlich nicht halbrund, sondern erinnert ein wenig ans obere Drittel eines Hinkelsteins aus gallischer Produktion. Tja, wenn meine CNC Drehe gerade laufen würde, dann... Tut sie aber nicht. Also hab ich nach Alternativen Ausschau gehalten. Tatsächlich bietet eine Drogeriekette einen dieser Deostifte auf Kristallbasis an. Erfreulicherweise besteht die Hülle des Stiftes aus durchsichtigem Kunststoff, wobei die Kappe PERFEKT die Abmessungen der Kuppel hat. Halt nur nicht ganz die kegelige Form, aber besser als nix.

Um die Kappe wurde ein GFK Kragen gebaut, der Löcher für Miniaturschrauben besaß. Sah schon mal ganz gut aus, dennoch wurde die recht empfindliche Kuppel erstmal wieder in die Kiste gelegt. Hinter dem Turm ist die Einstiegsluke. Diese wurde mal testweise gedruckt, sah aber auch so aus... Also nach Alternativen Ausschau gehalten und auch was in Form einer 60mm Deko Kugel aus sehr dünnwandigem Edelstahl gefunden. Da hab ich dann mit der Flex ein Kugelsegment ausgeschnitten und in der Drehbank auf Maß gebracht. Sah aber irgendwie nicht stimmig aus, der Deckel im Plan ist flacher. Also hab ich mich weiter auf die Suche gemacht und eine 100mm Kugel gekauft. Gleiche Prozedur, besseres Ergebnis.


An das Kugelsegment wurden hart ein Griff und die Halter des Scharniers gelötet. Vor einiger Zeit hatte ich mir ein Hartlötgerät von Greggersen gekauft. Teuer, aber geht astrein. Mit einem winzigen Flämmchen, mit dem sich Andere noch nicht mal ne Kippe anzünden würden kann man dieses filigrane Zeugs astrein hartlöten. Gutes Silberlot vorausgesetzt. Wenn man die Luke öffnet schaut man in eine Röhre mit innenliegender Treppe, das ist allerdings gedruckt. Unterhalb des Turms gibt es vier kleine Luken im Bereich der Staufferbuchsen die ich ebenfalls nachgebaut habe. Auch die sind natürlich zum öffnen. Die Luft Ein- und Ausstrittschächte sind gekauft und auf Maß geschnitten. Ein umlaufender Handlauf ist ebenfalls hartgelötet. eigentlich hatte ich vor, die Flutschlitze wieder aus GFK zu fräsen und in den Turm einzusetzen,hab mich dann aber dafür entschieden eben diese gefrästen Schlitze als Schablone zu nehmen und schnell die Flutschlitze von Hand ausgefeilt.

Die beiden Periskope, eigentlich sind ja nur die oberen Optiken sichtbar, hab ich schnell von Hand aus Messing gedreht. Also eher gedrechselt, aber das Ergebnis ist ganz ok. Der Turm ist erstmal mit zwei Drehteilen als Abstandshalter auf dem Rumpf befestigt und kann mit zwei Schrauben abgenommen werden. Wenn alle Klappen im Turm irgendwann mal an ihrem Platz sind, dann werden diese Schrauben auch verschwinden und alles versteckt schraubbar sein. Als letztes Detail habe ich mich noch an den beiden Auspuffbomben versucht die hinter dem Turm sind. Diese sollen wie im Original blubbern, aus diesem Grund ist im Technikgerüst noch ein Kompressor untergebracht. Seine Luft bezieht der später aus einem Schnorchel im Turm und drückt diese durch besagte "Bomben" feinperlig aus. Erreichen wollte ich das mit Sprudelsteinen aus dem Aquariumsbedarf, aber leider ging das so in der Form nicht. Um den zu kleinen Stein musste noch ein Verkleidung herum. Diese wiederum bindet die feinen Blasen zu einer dicken Blase und das sieht scheisse aus. Ich bin da aber noch dran...

Als erster Test war wie auch bei den letzten Malen das Freibad in Gangelt auserkoren. Bei sommerlichen -2° Lufttemperatur und knackigen 4° Wassertemperatur gings ins Bad um mal zu schauen, wo es denn blubberte und wie sich die Bleisituation so darstellte. Naja, es blubberte reichlich, war aber in den Griff zu bekommen. Mit dem Blei hingegen sah es dann schon schlechter aus. Ich hatte wider Erwarten nicht genug Blei dabei, allerdings reichte es, um sich mal einen groben Überblick zu verschaffen. Und so war die erste "Testfahrt" nach wenigen Minuten ohne einen Meter Fahrt auch schon zu Ende.


Zuhause angekommen wurde das Blei so gut es ging in Bug und Heck verstaut. Eine grössere Platte Walzblei wurde mittig im Rumpf ausgelegt. Die Lecks wurden soweit geschlossen. So gerüstet gings ne Woche später wieder ins Freibad. Gleiches Wetter, dafür weniger Lecks. Immer noch keine Probefahrt möglich. Ich musste mich also in Geduld üben. Sobald ich ein neues Boot baue, fange ich irgendwann damit an, eine Liste der nötigen Verbesserungen/Veränderungen etc zu machen. Diese war in der Zwischenzeit recht lang geworden. Ich hatte noch ein paar Tage Zeit, diese bis zur Messe Bad Salzuflen abzuarbeiten. Dort sollte es zumindest wärmer sein...
Bis zur Messe hatte ich dann auch noch einige Kleinigkeiten am Boot behoben. So wurde mit als erste Handlung das geteilte Tiefenruder wieder ausgebaut. Stefan hatte recht behalten. Der Kahn ist durch die flache Form so stabil im Wasser, da legt sich nichts auf die Seite. Also raus damit, und dazu ebenfalls das zweite Tiefenruderservo. Auch wurde das Querstromruder mit ein paar beherzten Hammerschlägen demontiert. Zumindest im Heck brachte das nur sehr wenig. Vielleicht bau ich ja irgendwann mal eins in den Bug ein. In Bad Salzuflen konnte ich es kaum erwarten, das Boot ins Becken zu setzen.

Praktischerweise hatte ich mir zum Transport eine Karre gebaut. Die brauchte ich zwar nicht für den Transport vom Stand zum Becken aber für den Transport von und zum Auto hätte ich ganz schön lange Arme bekommen. Bei der ersten Wasserung habe ich sofort das Boot unter Überdruck gesetzt, um Lecks sofort sehen zu können. Erfreulicherweise war nur noch im Bugbereich eine recht hartnäckige Undichtigkeit. Diese wurde provisorisch abgedichtet und nun konnte das noch nötige Blei ermittelt werden. Praktischerweise hielt sich die benötigte Menge in Grenzen, die beiden 2x 1l Tanks hatte ich völlig vergessen. Das Blei wurde auf die Schnelle mit Klebeband ins Technikgerüst geklebt und das Boot lag fast perfekt! Vielleicht hinten ein bisschen zu schwer, aber man konnte mal Gas geben. Und da ist ordentlich Schub drin! Leider liess das Becken nur sehr kurze Sprints und langsam gefahrenen Kurven zu, aber ich war schon mehr als zufrieden. Auch wenn meine Liste wieder um einige Punkte (u.a. viele schlampige Baumängel!) angewachsen war. Naja, "isch bin halt noch am lernen am tun".
Zuhause angekommen wurden wieder Mängel beseitigt. Das Blei wanderte fest ins Boot, sodass der nächsten Probefahrt nichts im Wegen stand. Ausser der eigenen Dummheit... Ein Bekannter hatte mich zu sich ans Vereinsgewässer geladen. Dort angekommen musste ich feststellen, dass ich weder passendes Werkzeug noch meinen Schlauch zum aufpumpen dabei hatte. Das Boot pendelte stark, an einigermassen vernünftiges Fahren war nicht zu denken. Dies gelang erst bei der nächsten Fahrt im Gangelter Freibad.
Endlich war auch die letzte Undichtigkeit beseitigt und das Boot konnte grob eingestellt werden. Eigentlich sollte man das vom Sender aus können, wenn man denn die nötige Verbindung dazu legt. Mein Selbstbautiefenregler hat dazu einen Eingang, mit dem man quasi das Poti von der Reglerplatine in den Sender verlegt. Das gilt für die X und die Y Achse. So kann man während der Fahrt nacheinander beide Achsen (wenn man dann Querlageregelung in seinem Boot braucht) mit einem Poti am Sender bequem einstellen, nach der Fahrt mit dem Handy auslesen, und zum Schluss diesen Wert fest über das entsprechende Poti auf der Platine einstellen. Da verstellt sich dann auch nichts mehr oder der Chip verliert Einstellungen. mit dem Poti sind die Werte fest. Das einstellen des Bootes dauert tatsächlich nur wenige Sekunden. Dies konnte ich bei der nächsten Probefahrt eindrucksvoll sehen. Das Poti am Sender stand beim einsetzen des Bootes auf Mitte, also Null. Beim Gasgeben zeigte sich schon durch die fehlende Verstärkung des Bootes ein sehr schlechtes Fahrverhalten. Dieses wurde mit leichtem Drehen am Regler immer besser, bis das pendeln ganz aufhörte. Von da ab fuhr das Boot wie an der Schnur gezogen. DAS macht Spaß!






