Meine 212 von Engel

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Vor einiger Zeit bin ich in den Besitz einer 212 von Engel gelangt. Es war ein schon etwas älterer Bausatz, also die Version in Resin. Allerdings war der Bausatz bis auf das eingeklebte Heckschott und ein teilweise montiertes Technikgerüst völlig unberührt. Im Schott waren auch schon die beiden Stopfbuchsen eingeklebt. Dummerweise nach aussen gerichtet, also im frei durchfluteten Raum liegend. Rückblickend wären die besser in den Druckkörper gerichtet verbaut gewesen, aber das war jetzt nun mal so.
Der Bausatz lag schon seit einiger Zeit bei mir im Regal und eigentlich hatte ich noch gar keine Ambitionen das Boot zu bauen. Vor Kurzem wurden aber in der Sonar Facebook Gruppe gleich zwei 212 vorgestellt, eine davon die 212 von Engel in der neuen Version aus ABS. Da ich an dem Sonntag nichts anderes vorhatte, habe ich den Bausatz vom Regal genommen und nach dem Frühstück einfach mal angefangen. Im Heck wurden die Messinggestänge durch Edelstahl ersetzt und auf Maß gebracht. Die Umlenkhebel wurden samt neuer Ruderwellen aus Edelstahl eingebaut und mit den Anlenkungen verbunden. Ging ganz gut, die Ruder haben nicht viel Ausschlag, aber das sollte langen. Der Brushless Motor wurde samt Motorträger und Welle eingebaut. Am Motor wurden vorher noch die Zuleitungen verlängert. Alles passte sehr gut zusammen und nicht stand im Weg. Zwischendurch wurde schnell ein Bootsständer gezeichnet und gedruckt. Passend zum Ständer habe ich eine Auflage aus TPU gedruckt um den Lack am Boot nicht zu zerkratzen.

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Ursprünglich wollte ich die Akkus nehmen, die dem Bausatz beilagen. Es stellte sich aber schnell heraus, dass die Kapazität der NiMh Zellen nicht mehr wirklich zeitgemäss ist. Ich hatte noch einen Satz LiFePo Zellen in einer 4s2p Anordnung liegen. Diese passten perfekt liegend eingebaut in die Akkuwanne, also wurden die auf die Schnelle verdrahtet und bei der Gelegenheit auch mal getestet. Ergebnis waren knapp 6Ah echte Kapazität. Geil, nehme ich! Die LiFePos sind zwar ca. 100g leichter als die NiMh, aber der richtige Ballast müsste eh nachher ermittelt werden.
Der Verschlussring war als nächstes an der Reihe. Ich hätte gerne eine Alu Version eingebaut, aber der dünne Ring, welcher in das Bugteil eingeklebt wird, war um 2mm zu gross, ich hätte die Klebestelle am Bugteil zu weit ausdünnen müssen um den einzukleben. Also wurde der Resin Ring eingebaut. Der dicke Ring im Heck war schnell eingeklebt. Ich habe mir aus GFK noch einen Anschlag gefräßt, sodass der Ring nicht zu tief ins Heck geschoben werden konnte. Danach folgte der knifflige Teil. Ich klebe meine Bajonettverschlüsse immer mit eingelegtem O-Ring ein. Dadurch kann sich der dünne Ring nicht verziehen wenn es mal etwas eng werden sollte. Also wurde der dünne Ring und die Klebestelle im Bug mit Klebstoff bestrichen und alles zusammengefügt. Dabei musste darauf geachtet werden, dass überschüssiger Kleber nicht ins Bajonett läuft und/oder beide Rumpfteile miteinander verklebt werden. Gleichzeitig musste auch darauf geachtet werden, dass das Fett vom O-Ring nirgends auf die Klebefläche gelangt. Zwischendurch habe ich beide Teile gegeneinander verdreht, sodass der Kleber so gut wie es ging auf den Klebeflächen verteilt wurde. Immer wieder wurde der Verschluss geöffnet um überflüssigen Kleber mit einem in Aceton getränkten Tuch abzuwischen. Beim anschliessenden Zusammenstecken musste auch wieder darauf geachtet werden, dass die beiden Rumpfteile im richtigen Winkel zueinander stehen, da der Bajo einen Anschlag besitzt. Naja, letztendlich hat alles geklappt, der Ring war eingeklebt und der Rumpf konnte ohne Probleme geöffnet werden. Beide Rumpfteile standen auch im richtigen Winkel zueinander. Juchu!
Damit ging der erste Bautag an der 212 gegen Nachmittag zu Ende.

Nun wurde das Technikgerüst modifiziert. Ein paar der PVC Platten mussten weichen, damit ich meine etwas grössere Elektronik unterbringen konnte. Die PVC Platten wurden durch besser passende GFK Platten ersetzt, auf welchen die Komponenten montiert werden konnten.
Die beiliegende Tauchtankansteuerung wurde entfernt und durch eine proportionale Ansteuerung ersetzt. Der Empfänger ist ein 10 Kanal DS PCM Empfänger von Graupner, deutlich leistungsfähiger als Coronas. Zur Tiefenreglung habe ich die neuste Version meines Tiefenreglers eingebaut. Zum Ein/Ausschalten habe ich einen meiner elektronischen Schalter nebst zweier Reedkontakte verbaut.

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Zur Ansteuerung des Motors habe ich mich für einen BLHeli32 Regler entschieden. Der ist schön klein und war "am Lager". BlHeli32 wird zwar leider nicht mehr weiter entwickelt, ist deswegen aber ja nicht schlecht. Vorteil ist hier u.A. die Möglichkeit, die Reglerparameter am Teich per Handy zu modifizieren. Gleichzeitig wurden auch die Einstellungen des Tiefenreglers angepasst. Durch Einstellung der X-Verstärkung auf Null erhält man einen Mischer mit dem man die X-Ruder ansteuern kann. Die Parameter und Werte, die der Regler erfasst und erzeugt sieht man schön in der Ausgabe des Monitors am PC. So lässt sich der Regler kinderleicht einstellen und man weiss was man tut und stochert nicht im Trüben.

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Nachdem alles untergebracht und eingestellt war, konnte das Technikgerüst mit dem Rumpf verschraubt werden. Dummerweise gab es ein Problem mit dem mitgelieferten Tauchtank. Dieser fuhr beim fluten in den Endanschlag und verklemmte sich. Also alles wieder komplett demontieren. Keine Ahnung warum, aber der Stössel musste anscheinend etwas früher schalten. Da der hohlgebohrt ist, habe ich einfach eine Zylinderkopfschraube in die Bohrung geklebt. Nun wurde der Schalter ETWAS früher betätigt und der Kolben verklemmte nicht mehr. In dem Zusammenhang habe ich eine kleine Platte aus GFK entworfen, welche mit dem Zwischenzahnrad verklebt wurde.

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Diese trägt die vier Magnete für den Hallsensor der proportionalen Tauchtanksteuerung. Danach konnte alles wieder zusammen gebaut werden...
Es folgte die komplette Verkabelung des Technikgerüstes. Ursprünglich hatte ich vorgehabt, den Empfänger so weit wie es geht nach vorne zu verlegen. Dadurch ergaben sich aber unschöne Längen bei den Zuleitungen zum Tiefenregler etc. Diese lagen natürlich auch parallel zu den Akkukabeln die zum Motor bzw Tauchtank gingen. Alles suboptimal. Also habe ich die Elektronikkomponenten etwas umarrangiert und den Empfänger in die Mitte des Bootes gesetzt. Jetzt sind die Zuleitungen zum Tiefenregler etc nur wenige Zentimeter kurz. Schon viel besser!
Beim Technikgerüst gibt es eine Stelle Richtung Heck, welche später bauartbedingt durch das Heck verdeckt wird. Man kommt zwar an alles ran, aber nur durch abschrauben des Technikgerüstes. An diese Stelle wurde der schnell zusammengelötete Ein/Ausschalter mit BTS555 montiert. Da muss man normalerweise nicht ran, somit ist der Platz gut ausgenutzt.

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Im nächsten Schritt wurde das Ballastblei eingeklebt. Ich habe dazu die Farbe abgebeizt mit der das Blei lackiert war, damit der Kleber auf dem Blei ist und nicht auf der Farbe.
Zwischendurch hatte ich Gelegenheit, die Dichtigkeit zu testen. Hier stellte sich heraus, dass der Dichtring tatsächlich an einigen Stellen sehr leicht undicht war. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es am O-Ring oder dem hinteren, dicken Ring liegt, es musste der vordere, dünnere Ring sein. Also wurde die Verklebung noch einmal nachbearbeitet und Klebstoff aufgetragen.
Der letzte Handgriff war dann noch das aufkleben der Ruder. Eigentlich war geplant, die Ruder nur klemmend mit den Wellen zu verbinden. Hat den Charme, dass sich die Ruder bei Grundberührung wegdrehen können. Ist mir lieber als das sie abbrechen. Aber mit dem dünnen Resin hatte ich die Befürchtung, dass die Klemmverbindung irgendwann dazu führt, dass die Ruder an den Stellen der Bohrung aufplatzen und dann garnichts mehr rudert. Also wurden die fest auf die Welle aufgeklebt. Natürlich nicht, ohne die Welle vorher anzurauen.
Nun war das Boot erstmal mechanisch fertig gestellt und konnte getestet werden. Der Test fand mal wieder im Gangelter Freibad statt.

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Zum Glück haben wir ein kleines Zeitfenster erwischt, wo es mal nicht in Strömen goss. Es stellte sich schnell heraus, dass noch ca. 300g Blei zum abtauchen fehlten. Diese wurden provisorisch mit Klebeband am Rumpf fixiert um die ungefähre Lage zu ermitteln. Dann wurde eine kurze Testfahrt unternommen. Leider war das Wasser sehr trübe. Zu Trübe um ausgedehnte Test zu machen. Aber immerhin liess sich feststellen, dass das Boot nun absolut dicht war und das der Regler mit der Voreinstellung per Augenmaß schon sehr gut funktionierte. Klar, die Geschwindigkeit war jetzt nicht atemberaubend, aber für das Boot reicht es. Eine gute Basis zum weitermachen!
Daheim angekommen wurde das Blei im Boot und Technikgerüst verstaut. In der Zwischenzeit konnte ich bei Markus van Beek in Erfahrung bringen, in welchen Farben das Boot lackiert ist. Diese Farben habe ich direkt bestellt, sodass das Boot auch zweifarbig lackiert werden konnte. Mit RAL9005 für das Unterwasserschiff und RAL8019 fürs Überwasserschiff wirkt das Boot ganz schön düster. Üblicherweise kennt man die 212 ja nur in kackbraun, aber die beiden Farben sollen tatsächlich die originalen Farben sein...

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Den Abschluss des Baus bildete den Einbau der Beleuchtung auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen ;-) Hier wurden die beiden Abdeckungen der Positionsbeleuchtung sowie die Hecklaterne an den Turm geklebt und von innen mit drei superhellen LEDs beleuchtet. Befeuert wird das Ganze mit einer einzelnen Zelle, die im Oberdeck wasserdicht untergebracht ist und manuell eingeschaltet wird. Die Zelle hat lt Datenblatt 2200mAh, bei einer Stromentnahme der LEDs von zusammen 60mA komme ich da auf 36,6 Stunden Dauerbeleuchtung. Das sollte für eine Weile reichen, eine Nachtfahrten werden sich eh stark in Grenzen halten.

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Videos dazu:

https://youtu.be/SYvoGge04Yo

https://youtu.be/cKCaWj-79y0